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Das Theater um Adblock Plus

Freier Content ist am Ende, glaubt man einigen Posts; dank “Adblock Plus” – so heißt nämlich die Sau, die momentan gern durch’s digitale Dorf getrieben wird. Verlage geißeln das Browser-Plugin gerne als den Anfang vom Ende frei verfügbaren Contents, während unverbesserliche Netzaktivisten das Tool als Heilsbringer für ein unkommerzielles Internet sehen.

Betrachten wir die Situation mal nüchtern.

Der Betrieb von Webseiten kostet Geld – nicht nur für die Technik (Hosting, Funktionen, etc.), sondern vor allem auch die Generierung der Inhalte. Bei privaten Websites ist das relativ egal, da zumeist nur eine Person dahintersteckt, die das als Hobby betreibt. Bei großen Newsportalen wie Spiegel Online stecken da komplette Online-Redaktionen dahinter, da die Verlage nach vielen Fehlschlägen erkannt haben, dass man Print-Inhalte nicht 1:1 ins Netz stellen kann. Diese Online-Redakteure werden von den “klassischen” Print-Redakteuren auch gerne mal als Journalisten zweiter Klasse betrachtet, das Thema gehört aber gerade nicht hierhin. Einigen wir uns einfach darauf, dass die Bereitstellung von hochwertigem Content mit Arbeit verbunden ist und die entsprechenden Mitarbeiter auch ein Anrecht darauf haben, dafür bezahlt zu werden. Frank Patalong von Spiegel Online kotzt sich in seinem Beitrag zu dem Thema richtig aus, hat im Kern aber Recht.

Wie finanzieren sich solche Websites? Richtig – durch Werbung. Als User konsumiere ich den Content und zahle mit der Aufmerksamkeit, die ich den eingebundenen Verbraucherhinweisen zukommen lasse. Ein Modell, dass sich im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt gemacht hat.

Nun kommt ein Tool namens Adblock Plus daher und blendet die Werbung aus, verhindert also die “Zahlung per Aufmerksamkeit” – damit funktioniert das Modell nicht mehr.

Gehen wir einen Schritt weiter. Wie selbstverständlich nutzen wir alle Google und Facebook und nehmen diese Dienste quasi als Grundrecht wahr. Dahinter stecken aber nun einmal keine Non-Profit-Organisationen, sondern Firmen. Wir bezahlen zwar kein Geld für die Nutzung dieser Dienste, bezahlen aber quasi mit unseren Daten, die diese Plattform in die Lage versetzen uns auf unsere Interessen zugeschnittene, “personalisierte” Werbung anzuzeigen und so die Streuverluste für ihre Werbekunden zu minimieren.

Nun mal konkret zur Werbung im Netz. Es existieren die verschiedensten Werbeformate im Internet – vom klassischen Banner, der sich devot in die Kopfzeile schmiegt, bis zum nervigen Pop-Up, vom Skycraper in der Seitenleiste bis zu wilden Flash-Spielereien, die die halbe Seite auseinandernehmen. Zugegeben – einige der Formate sind mehr als nervig; das ist zumeist aber eine Folge mangelnder Kreativität, nicht unbedingt die Schuld der Werbeform. Das Pop-up nehme ich da aus – da kann man kreativ sein, wie man will, niemand wird es lieben… Aber zurück zum Thema. Werbung verkauft nur, wenn sie wahrgenommen wird. Werbung wird nur wahrgenommen, wenn sie Aufmerksamkeit erregt. Das geht nun auf der einen Seite durch “bunt und elektrisch”, also mit dem Dampfhammer – oder aber durch gute Kreation. Und an dieser Stelle sollte man mal ansetzen…

Es ist nicht die Werbeform, die uns nervt – es ist die schlechte Werbung!

Zurück ins Hauptmenü. Das sogenannte “freie” Internet, wie es so gerne postuliert wird, existiert nicht – denn ohne die werbefinanzierte Industrie wäre die Infrastruktur niemals soweit ausgebaut worden. Das Internet wäre nach wie vor ein Netzwerk der Universitäten bzw. des Militärs. Der bereitgestellte Content hat das WWW erst zu dem gemacht, was es heute ist. Als der erste Banner am 27.10.1994 auf Hotwired.com eingeblendet wurde, begann man diesen Content zu monetarisieren. Und dieser Banner konnte immerhin eine Klickrate von 78% generieren – ich glaube nicht, dass diese Marke danach jemals geknackt wurde.

Wo geht der Weg nun hin? Konsequent wäre ein Abo-Modell der Verlage, dass die Werbung ausblendet. Zahle Geld und Du bekommst keine Werbung angezeigt – zahle Aufmerksamkeit und die Banner blinken munter weiter. Das Problem ist, dass immer direkt vom Untergang journalistischer Kultur bzw. der Raffgier der Verlage gesprochen wird, wenn das Thema auf werbefinanzierten Content kommt.

Diejenigen, die sich am lautesten über Werbung aufregen können sich ja mal vorrechnen lassen, was die GEZ oder Sky verlangen müssten, wenn das Programm der öffentlich-rechtlichen ohne Werbeblöcke, bzw. das Bundesliga-Paket ohne Trikot- und Bandenwerbung kosten würde… Einfach mal kurz überlegen, was ohne Sponsoring (das ist auch Werbung) teurer werden würde…

Ich würde mich freuen, wenn alle wieder auf eine sachliche Ebene zurück kommen könnten.

Tipp-Ex is back

Es ist doch immer schön, überrascht zu werden; als Tipp-Ex 2010 die großartige interaktive YouTube-Kampagne “Hunter shoots a bear” durchgeführt hat, war das Web von den Socken. Eine großartige Kampagne mit viel Witz. Kaum zu glauben, dass es noch besser geht.

Heute haben sie nachgelegt, mit “Hunter and bear’s 2012 birthday party” – ansehen und ausprobieren.

ACHTUNG SPOILER

Diesmal wird nicht nach Aktionen sondern nach Jahren gefragt. Zudem sind einige der Animationen noch direkt durch den User beeinflussbar. So wird bei 1989 natürlich der Fall der Berliner Mauer thematisiert. Mit Hilfe der Maus kann man dem Bär beim Einreissen helfen.

Hunter and bear's 1989 birthday party
Hunter and bear's 1989 birthday party

Außerdem im Programm:

-10000 Steinzeit
-2000 Ägypten
0 Namenssuche im Stall
333 Ben Hur / Wagenrennen
500 Artus-Sage
1492 Kolumbus
1700 Mona Lisa
1872 Wilder Westen
1920 Stummfilm
1929 Weltwirtschaftskrise
1945 WW2 – Fallschirmabsprung
1950 Rock’n Roll
1969 Mondlandung
1975 Disco-Fever
1980 Pacman
1988 Graffiti / Breakdance
1989 Berliner Mauer
1994 College-Sitcom
2000 Millenium Error
2001 The Star Spangled Banner
2002 Brasilien Fußballweltmeister
2003 Der Governator
2004 Facebook
2005 YouTube
2006 Italien Fußballweltmeister
2007 iPhone
2008 Yes we can
2009 Thriller (soll’s wohl sein)
2010 Spanien Fußballweltmeister
2011 Roomservice
2012 Weltuntergang
2013 Ufo-Angriff
2400 Matrix
10000 Big Crunch