re:publica 13 // re:view

Habemus re:publica. Und wieder läuft das Klassentreffen der digitalen Szene, d.h. eine bunte Mischung von (Möchtegern-)Netzpersönlichkeiten, Journalisten, Bloggern, einigen Reklameheinis und Digital-Esoterikern. Und natürlich die gerade in Berlin obligatorischen Hipster. Viel Dumdidum und viel Flausch – und gerne mal Seitenhiebe auf die Piraten und intensives Gekloppe auf die Telekom (#drosselkom).
So schön einige Vorträge auch sind – die re:publica ist immer noch in erster Linie ein Networking-Event. Daher habe ich mir auch gar nicht so viele Vorträge vorgenommen – eine gute Entscheidung, denn wie schon vermutet, habe ich Gott und die Welt getroffen…
Viele Vorträge sind eh online abrufbar, daher werde ich jetzt keine Einzelkritiken schreiben. Ein paar sollten aber nicht unerwähnt bleiben:
Tag 1:
Gunther Dueck – der Erwartungsdruck war sicherlich groß seit seinem Vortrag “Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem” auf der rp11. Nach einer Pause 2012 lud er in diesem Jahr zum “Interkulturellen Diskurs“, ein Vortrag, der mir wieder sehr gefallen hat; zum einen, weil Hr. Dueck sich nicht so sehr ernst nimmt und alles mit einer absoluten Gelassenheit vorträgt. Zum anderen, weil er die Situation zwar nüchtern und ohne viel Emotionen analysieren, sie dann aber doch amüsant erklären kann.
Besonders hängen geblieben ist bei mir die Aussage, dass es wenig Sinn macht, dass wir alle untereinander Blogartikel zur Netzpolitik schreiben – da wir sie ja auch nur untereinander lesen. “Die Realität ist da draußen”, so Dueck.
Abends dann der Vortrag von Sascha Lobo – wieder mal als “Überraschungsvortrag” angekündigt – manchmal hatte man aber auch den Eindruck, er sei selbst überrascht. Mr. Internet wirkte manches mal recht unvorbereitet, erzählte nicht viel Neues und nutze den Rest dann eher zur Vorstellung seines Projektes “Reclaim Social Media“. Ok, das Projekt klingt sehr interessant und macht sicherlich Sinn (alles Social-Aktivitäten automatisiert ins eigene Blog zurück führen) – allerdings gehört das meiner Meinung nach nicht unbedingt auf die Mainstage der re:publica.
Tag 2:
Morgens bekam ich eine SMS (Danke noch mal an Judith und Johannes!) mit obigen Bild aus der WELT Kompakt – ich hatte zwar gemerkt, dass mich Montag jemand vor dieser Wand fotografiert hatte, mir dabei dann aber nix gedacht. Auf meine Twitter-Nachricht hinsichtlich eines Bildhonorars hat sich die Weltkompakt aber noch nicht gemeldet.
Ansonsten habe ich mir am zweiten Tag zwei eher Geek-orientierte Vorträge gegönnt. Zum einen “Crowed Sourced Astronomy“, in der die Physikerin Carolin Ödman-Govender erst eine kurze Einführung in astronomische Technik gab und dann einen Überblick über die ganzen Volunteer-Programme im Netz gab; angefangen bei SETI@home bis zu GalaxyZoo. Beeindruckend auch die Fakten: so würden für die in einem [sic!] radioastronomischen Observationstag generierten Daten mehr als 15 Millionen 64GB-iPods füllen. Zum anderen sah ich mir “Faszination Grundlagenforschung: Das Higgs, Big Data und Teilchenphysik” an – ein Vortrag dreier DESY-Forscher vom LHC am CERN – erwähnenswert die Aussage von Kerstin Borras zum Thema “Warum tun wir das eigentlich” (ab 33:00): ‘Natürlich kann man auch sagen: Warum gebe ich nicht dieses Geld, um Hunger in der Welt zu stillen – aber dann ist es weg, die Ursache ist aber nicht behoben. Und Ursachenbehebung kann man eigentlich nur durch Forschung, technologischen Fortschritt und Bildung bringen’
Tag 3:
Internet hin- oder her – einige Leute schreiben nach wie vor Bücher, im Internetumfeld werden diese vorzugsweise bei O’Reilly verlegt. So war auch der Vortrag “Internetmeme” irgendwie eine Promoveranstaltung. Allerdings eine gelungene und ich denke, ich werde mir “Internet-Meme – kurz & geek” kaufen; denn die Autoren beginnen nicht erst bei “Gangnam Style”, sondern setzen in den Anfangstagen des Internets an und verfolgen so die Entstehung und Verwendung von z.B. “LOL”, “ROFL” oder “CU” bis in die Gegenwart – ebenso natürlich den Pedobear (Kumā), Imageboards oder ein Rückblick auf Geocities.
Fazit
Die re:publica war wieder mal eine Reise wert. Bei der Fülle der Sessions und Workshops ist es ganz normal, dass man sich zwischen zwei Highlights entscheiden muss. Zudem gibt es grundsätzlich Sessions, die toll klingen, aber enttäuschend sind und langweilig klingende Sessions, die absolut super sind. Dank YouTube kann man sich diese dann später immer noch anschauen, sofern man sie verpasst hat. Das Networking ist aber immer noch das A und O der Zusammenkunft. Die Aussage, dass dieses Jahr das WLAN funktioniert hat, habe ich leider erst zum Abschluss mitbekommen – ich hatte es dieses Jahr gar nicht erst versucht…
Und ja – auch auf der re:publica14 werde ich sein.
+++ UPDATE +++
Dass in einem Wahljahr kein Spitzenpolitiker dort auftauchte kann zweierlei bedeuten: entweder ist das re:publicum keine lohnenswerte Zielgruppe, “weil die ja eh immer meckern” – oder die Organisatoren hatten kein Bock auf Wahlkampf-Polemik und haben die entsprechenden Herrschaften gar nicht erst geladen. Im ersten Fall täte es mir leid, im zweiten ziehe ich den Hut.
